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Neues von der Insel

... die eigentlich ja überhaupt keine ist. Aber im ideellen Sinne und mit ein wenig Phantasie birgt die Schorfheide schon etwas von Abgeschiedenheit und Ruhe, die nur einen begrenztes Terrain bieten kann.
Wald und Wasser in einem, wo findet man das schon noch, ohne das es der Menschen zu viele sind.

   
 

Im Dunkeln bei Wölfen

Vollmond-Wolfsnacht im Wildpark Schorfheide bietet Grusel und Information

GROSS SCHÖNEBECK - Im Fackelschein ziehen zwei Dutzend Wanderer durch den finsteren Wildpark Schorfheide, vorbei an Gehegen für Parkrinder, Sattelschweine und Wisente. Manche Tiere sind nur als Schattenschema zu erahnen, andere hört man leise schnauben. Schließlich stoppen die Wanderer vor dem Wolfsgehege. Sie suchen mit Taschenlampen zunächst vergeblich nach den scheuen Raubtieren. Erst als der Futterwagen naht und sich der Vollmond durch die Wolken kämpft, ertönt leises Heulen.
„Das ist ja gruselig“, raunt ein Wanderer. Umstehende weichen ängstlich zurück. Dass Wildparkchefin Imke Heyter während der zwei Kilometer langen Wanderung den Wolf als menschenscheu beschrieben hat, ist offenbar vergessen. „Der Respekt bleibt“, sagen einige Besucher. Kaum einer denkt noch daran, dass Wölfe nicht heulen, weil sie traurig wären, sondern weil sie sich so verständigen. „Sie heulen nicht den Mond an, sie unterhalten sich auf diese Weise auch tagsüber“, sagt die 38-jährige Wolfsexpertin. Dann öffnet Imke Heyter die Tür zu dem 10 000 Quadratmeter großen Gehege und kippt frisches Rindfleisch aus dem Futtereimer. „Kommt, alle meine Wölfe“, lockt sie. Schon huscht der erste Isegrim mit eingekniffenem Schwanz und einer Schulterhöhe von 70 Zentimetern vorbei. „Na, Timo, mein Lieber.“ Die Wildparkchefin erkennt jeden ihrer Wölfe auch im Dämmerlicht an der Körperhaltung. Im Hintergrund leuchten Augenpaare auf, sobald der Strahl der Taschenlampe sie erfasst. Die Wildparkmitarbeiter wissen seit zehn Jahren, dass Wölfe in der Schorfheide frei leben oder sie zumindest durchwandern. „Wir haben damals Richtmikrofone aufgestellt. Und unsere heulenden Wölfe bekamen Antwort aus der Dunkelheit außerhalb des Zauns“, erläutert Heyter. Bisher, sagt sie, habe noch kein Mensch eines der frei lebenden Tiere erblickt. Wären die Tiere im Wildpark nicht mit der Flasche aufgezogen worden, würden wohl auch sie sich keinem Besucher zeigen. „Die Wölfin bringt den Welpen in den ersten Lebenswochen bei, dass der Mensch ihr Todfeind ist“, erklärt Heyter. Deshalb würde der Wolfsnachwuchs im Wildpark am zehnten Tag von der Mutter getrennt und in der Prägephase an den Menschen gewöhnt. Die Vollmond-Wolfsnächte haben eingeschlagen wie eine Bombe, sagt die Wildparkchefin. Sie ist noch immer sichtlich erstaunt. „Vollmond und Wölfe – da gibt es doch viele Mythen und Legenden“, versucht sie den Besucheransturm zu erklären. Außerdem habe die Gruppe bei der Fackelwanderung den gesamten Wildpark für sich allein. „Das passiert ja tagsüber praktisch nie.“ (Von Jeanette Bederke)
Der Wildpark Schorfheide
  • 17 Großwild-Arten, die in Europa einst beheimatet waren, leben heute in der 100 Hektar großen Anlage.
  • Wisente und Wildpferde waren die ersten Tiere in der weitläufigen Wald- und Wiesenlandschaft.
  • Gegründet wurde der Wildpark Schorfheide 1996 am Rande von Groß Schönebeck von der Familie Heyter aus Eberswalde (Barnim).
  • Ohne staatliche Zuschüsse beschäftigte der privatwirtschaftliche Wildpark-Betrieb zehn Mitarbeiter.
  • Etwa 100 000 Gäste besuchen jährlich in die Anlage.
  • Die ersten Wölfe kamen 1998 von einem privaten Halter in Hessen.
  • 16 Wölfe in zwei Rudeln leben derzeit im Wildpark.
  • Nur ein Rudel wird Besuchern gezeigt. Das andere lebt zurückgezogen in einem nichtöffentlichen Teil des Geländes.
  • Mehr als 20 Nachzuchten von Wölfen sind im Wildpark bereits gelungen. Die ersten wurden nach der achtwöchigen Handaufzucht wieder in die Rudel integriert, andere gingen in ähnliche Wildpark-Anlagen nach Hessen und Innsbruck.
  • Eine Vollmond-Wolfsnacht beinhaltet eine Fackelwanderung zum Wolfsgehege samt rustikalem Büffet mit Wildsuppe und Hirschbraten, die Teilnahme an der Wolfsfütterung sowie abschließendem Lagerfeuer und Glühwein in der Köhlerhütte. jb
info Anmeldungen unter (033 393) 65 855, Informationen unterwww.wildpark-schorfheide.de

Von: Jeanette Bederke - Märkische Allgemeine




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